Uh-nmöglich

Zugegeben, Gerald Asamoah ist ein Spieler, den man als BVB-Fan nur schwerlich mögen kann. Gerade in der Hitze eines Derbies kann es passieren, dass die Emotionen überschäumen und man Dinge sagt und tut, bei denen man selbst als neutraler Beobachter nur den Kopf schütteln würde. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Asamoah nicht gerade Wellen der Zuneigung treffen, sobald er den Platz betritt. Ist ja eigentlich auch kein Problem und wäre für sich genommen kein Grund für einen eigenen Artikel, wenn das Ganze nicht in den letzten beiden Derbys Ausmaße angenommen hätte, die so einfach nicht tolerierbar sind.

Gemeint sind die widerlichen Affenlaute, die in den deutschen Bundesligastadien glücklicherweise fast gänzlich verschwunden waren. Freitag konnte man sie erneut hören. Asamoah, gerade eingewechselt, geht in den ersten Zweikampf, und auf einmal blökt eine Vielzahl von Leuten ohne nachzudenken „Uh, Uh, Uh“. Bereits im Hinspiel waren diese Laute laut und deutlich von der Südtribüne zu vernehmen. Verurteilt wurde es damals schon von der Fanbetreuung in der Stadionzeitung. Leider erfolglos, wie man im Stadion hören musste. Unfassbar und dem BVB absolut unwürdig. Man kann es sich jetzt leicht machen und das Ganze als gedankenlose Pöbelei speziell gegen Asamoah abtun, oder einfach mal darüber nachdenken, was man da veranstaltet.

Klar ist, dass es sich dabei eindeutig um eine rassistische Beschimpfung handelt. Ähnlich beliebte Spieler der Blauen wie Manuel Neuer oder Rafinha werden damit nicht empfangen, weil sie eben hellhäutig sind. Gerald Asamoah wird mit diesen Affenlauten bedacht, weil er schwarz ist. Das soll, kann und darf man nicht kleinreden. Das heißt nicht, dass all die Rufer eine rassistische Einstellung haben. Zum allergrößten Teil wird es einfach mitgemacht. Ohne nachzudenken, ohne sich bewusst zu sein, was man da gerade von sich gibt. Aber auch das Derby ist kein Grund, das Hirn mit Betreten des Blocks auf „stand by“ zu schalten. Das darf einfach nicht einreißen und wieder salonfähig werden.

Vielleicht ist vielen Fans, vor allem den jüngeren, nicht bewusst, was diese Affenlaute für einen Hintergrund haben und kennen sie nur von Olli Kahns Gastspielen in Dortmund mit dem FC Bayern München. Bis Mitte der 90er Jahre konnte man sie in der Bundesliga aber oft hören, wenn ein farbiger Spieler am Ball war. Die Botschaft: Du bist anders als wir. Du bist mehr Tier als Mensch. Wir wollen dich nicht, geht zurück in den Busch. Es ist völlig egal, wenn die Uh-Uh-Uh Rufe gegen Asamoah eine andere Intention hatten, wichtig ist, wie sie vor diesem Hintergrund aufgefasst werden können. Von der Öffentlichkeit, von dunkelhäutigen Spielern und nicht zuletzt von ebenfalls dunkelhäutigen BVB-Fans, die auf der Tribüne neben uns stehen. Versetzt Euch mal in deren Lage. Muss ein richtig elendiges Gefühl sein, da zwischendrin zu stehen.

Hier bröckeln wieder Grenzen, die gerade erst mühsam errichtet wurden. Wie soll man Leuten gegenüber argumentieren, die irgendwann einmal bei einem Spiel gegen einen anderen Vereinen einen anderen Spieler derart widerwärtig verunglimpfen? Beim Derby darf man das, da ist das nicht schlimm – aber gegen andere Vereine und Spieler geht das nicht? Das wäre nicht nur hanebüchener Unsinn, das würde auch nicht funktionieren. Man muss sich bewusst machen, welchen Leuten und welcher Gesinnung man damit Tür und Tor zu unserer Tribüne öffnet.

Der BVB hat sich in der Vergangenheit stets gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus eingesetzt, als Beispiel sei da nur die Fahnenaktion der Fanabteilung vor drei Jahren genannt. Alle derartigen Bemühungen und Zeichen macht man kaputt durch einen Block, der die Hirnaktivität gegen Null fährt und dem nichts Besseres einfällt, als einen Spieler mit dem Verweis auf Hautfarbe und Herkunft zu bepöbeln.

Das nächste Derby ist noch mindestens ein halbes Jahr hin. Zeit genug darüber mal nachzudenken und zum Schluss zu kommen, dass dieser Scheiß bei uns nichts zu suchen hat.



Die Artikel wurde von der Redaktion von schwatzgelb.de verfasst.

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